Antiquariat Jürgen Dinter

Seitz, Johann Christian

Christi Kirche […] — 1718

650 €

Christi Kirche kein Welt=Reich, und weltl. Herrschafft weder fähig noch unterworffen, oder: Die Freyheit der Christlichen Religion und aller Religionen insgesammt, wie auch der Gewissen, von Obrigkeitl. GesetzesMacht u. Herrschaft: Und hinwieder Die Obrigkeitl. Macht und Gewalt in Ansehung aller Religionen und Kirchen, Religions= und Kirchen=Dinge, deutlich gezeiget und gründlich dargethan, I. In einer kurzen und summarischen Historie, wie und von wem die Macht und das Regiment in Religions= und Kirchen=Sachen von Anfang der Welt an biß auf diese unsere Zeiten geführet worden, und welcher Streitigkeiten dißfalls zwischen Imperio und Sacerdotio entstanden, und noch zwischen ihnen schweben. II. In einer gründlichen, vieles in der Theologie, Jure und Politice erläuternden Widerlegung eines über diese materie 1717 public gewordenen Tractätgens, unterm Titul: Moses Deus Aaronis … ab Alberto Ripero … – O. O. u. Dr. 1718.

 

8vo. (1) Bl., 198 S. Zeitgenössischer Kalblederband mit Rücken- und Kantenvergoldung. Exlibris der Familie Huber / St. Gallen auf dem Innendeckel. (Cf. Wegmann, Schweizer Exlibris 3676ff.). Schönes Exemplar des seltenen Buches.

 

¶ Um was es bei diesem Buch geht, gibt der Titel in hinlänglicher Ausführlichkeit an. Die biographischen Angaben zum Autor sind leider in den diversen Handbüchern weniger ausführlich. Immerhin weiß man, daß er 1707 vor dem Consistorium in Bayreuth wegen ketzerischer Ansichten in religiösen Dingen verhört worden ist, daß er sich dann, in halb Europa, vor allem natürlich in Holland und England, herumtrieb, daß er 1735 gestorben ist, und man kennt natürlich seine Schriften, von denen auffallend viele sich die Offenbarung des Johannes vornehmen. Im Jöcher wird er als “Fanaticus” eingeführt, anderswo wird er als “religiöser Schwärmer” und “mystisch-chiliastischer Separatist” bezeichnet. Als Gewährsmänner für die in seinem Buch verlangte Trennung von Staat und Kirche und für seine Verteidigung der Toleranz – “hier sage ich nun rund heraus: Der Fürst ist verbunden, alle Dissentierungs-Freyheit in Religion-Sachen, quoad fidem & cultum, zu verstatten, alle Dissentirende zu toleriren, sie zu schützen und an ihren bürgerlichen Rechten und Freyheiten nichts entgehen zu lassen” (S. 174) – führt Seitz Grotius, Pufendorf, Locke, Bayle und Thomasius an. Er selbst sah sich zweifelsohne als membrum ecclesiae spiritualis, die sichtbare erschien ihm in beiden Konfessionen verderbt vom Widersacher.